Barockes Jagdgewehr, beschnitzter Schaft mit Sterneinlage, auf Perkussion aptiert, um 1740
Jagdgewehr im Kaliber 15 mm mit an der Kammer achtkantigem, nach Übergangsring rundem, glattem Lauf ohne Signatur und Marken, Messingkorn an der Mündung. Steinschloss auf Perkussion aptiert: flache Schlossplatte in Steinschlossform mit spitz auslaufendem Schwanz, S-förmig geschwungener Hahn, Schlossblatt und Hahn mit Rankengravur. Barock beschnitzter Nussbaum-Vollschaft mit Rocaillen und Blattranken, deutscher Backenkolben, auf der Backe große sechszackige Sterneinlage, die Strahlen zweifarbig in Bein und Horn eingelegt; an der rechten Kolbenseite Kolbenfach mit hölzernem Schiebedeckel und Messingkappe. Messingbeschläge: Kolbenkappe mit langer Oberschiene, mehrfach geschweifter Abzugsbügel mit Fingermulden, Gegenblech in Rankenform und Ladestockröhrchen, Ladestock vorhanden; eiserne Riemenbügel am Vorderschaft und am Kolben. Altersgemäßer Zustand, Eisenteile fleckig mit leichter Narbung, Schaft mit einzelnen Wurmlöchern am Kolben, Schnitzerei gut erhalten, Hahn rastet nicht in der zweiten Position ein, Mechanik dadurch bedingt funktionsfähig. Bitte besichtigen. L. 125 cm.
Rocaillen, das Muschelwerk, nach dem das Rokoko benannt ist, prägten zwischen 1730 und 1760 das Kunsthandwerk; auf Jagdwaffen dieser Jahrzehnte erscheinen sie als Schnitzerei am Schaft wie als Gravur und Stahlschnitt an Schloss und Beschlägen. Zur Ausstattung der Jagdgewehre des 18. Jhs. gehörten der Vollschaft aus Nussbaum, Einlagen aus Bein und Horn und das Kolbenfach, in dem die Pflaster für das Laden verwahrt wurden. Die Perkussionszündung, 1807 von Alexander Forsyth patentiert und seit den 1820er Jahren mit dem Zündhütchen verbreitet, machte das Steinschloss entbehrlich; ältere Steinschlosswaffen wurden deshalb im 19. Jh. aptiert, also auf Perkussion umgebaut, und blieben so als Jagdgewehre in Gebrauch. Freier Vorderlader, Erwerb ab 18 Jahren.