Perkussionsgewehr, vollgeschäftet, mit Messingbändern, Prägenummer „55/86“, um 1860
Vollgeschäftetes Gewehr in Musketenform, Kaliber 14 mm. Runder Lauf, an der Kammer mit Schlagziffern geprägte Bruchnummer „55/86“, darüber geritzte Buchstaben, schwach lesbar. Schlichtes Perkussionsschloss mit flachem, vorn abgestuftem Schlossblatt und gerundetem Schwanz. Rotbrauner Nussbaum-Vollschaft bis nahe zur Mündung, Hals gewaffelt. Zwei flache Messingbänder, Messing-Abzugsbügel und -Kolbenplatte, eiserner Riemenring am mittleren Band, Ladestock vorhanden. Altersgemäßer Zustand, Mechanik funktioniert, Eisenteile berieben und fleckig, Kammer deutlich genarbt. Bitte besichtigen. L. 122 cm.
Die Perkussionszündung geht auf den schottischen Geistlichen Alexander John Forsyth zurück, der sein Schlagzündsystem 1807 patentieren ließ; das kupferne Zündhütchen, auf das der Hahn schlägt, wurde 1822 von Joshua Shaw patentiert. Preußen und Frankreich stellten ab 1840 ihre Steinschlossmusketen auf die neue Zündung um; bis in die 1860er Jahre blieb das vollgeschäftete Perkussionsgewehr mit Rundlauf, Laufringen und eisernem Ladestock die Ordonnanzwaffe der Infanterie. Der Vollschaft mit Messinggarnitur und das flache, glatte Schlossblatt sind die Bauweise dieser Militärgewehre in Musketenform; ausgemusterte Ordonnanzgewehre wurden im 19. Jh. als Jagdwaffen weiterverwendet. Freier Vorderlader, Erwerb ab 18 Jahren.