Hirschfänger mit gedrehtem Beingriff und figürlichem Messinggefäß, belederte Scheide, 19. Jh.
Bein, Messing, Stahl, Leder. Hirschfänger, im Jagdgebrauch auch Jagdplaute genannt, mit hellem, spiralig gedrehtem Beingriff und Messinggefäß. Muschelförmiges Stichblatt mit Jagdszene im Relief: ein Mann mit Jagdhorn, ein Jäger mit Hirsch, rechts außen ein weiterer Jäger mit Jagdhorn sowie ein Hund; der Griffbügel mit Reliefdekor, die Parierstange in einer Volute eingerollt und mit einem Hund verziert, der die Tatze auf einen Hasen legt; Griffkappe mit Rankenrelief. Schmale, gerade Rückenklinge. Belederte Scheide mit Mundblech mit Tragknopf und Ortband aus Messing, das Leder berieben. Altersgemäß guter Zustand. L. 82 cm, Klingenlänge 63 cm.
Der Hirschfänger ging typologisch aus dem Jagdschwert hervor, wurde im 18. Jh. schlanker und kürzer und war als Seitenwaffe des hirschgerechten Jägers die Waffe zum Abfangen des gestellten Wilds mit dem Herzstich; anders als Jagddegen und Jagdsäbel wurde er nur zu Fuß geführt. Seit dem Barock traten Messing und Silber an die Stelle der eisernen Gefäße, die Griffe wurden aus Hirschhorn oder Bein gearbeitet, und Stichblatt und Parierstange blieben seit dem 18. Jh. klein ausgebildet. Gegossene Jagdszenen mit Hirsch, Jäger und Hund auf dem Stichblatt und die Hetze des Hundes auf den Hasen am Gefäß gehören seit dem späten 17. Jh. zum festen Motivkanon deutscher Jagdblankwaffen. Getragen wurde die Jagdwaffe in einer Lederscheide am Wehrgehänge auf der linken Seite, in der häufig ein Beimesser, der Nicker oder Genickfänger, steckte. Seit dem 18. Jh. gehörte der Hirschfänger zugleich zur Dienstuniform der Forstbediensteten und wurde so zur Repräsentations- und Uniformwaffe.