Perkussions-Terzerol mit Kastenschloss, sogenannte Weinbergpistole, wohl Saint-Étienne, um 1860
Perkussionspistole in Terzerolbauart, im Sammlerjargon Weinbergpistole genannt. Langer, dunkel patinierter Achtkantlauf mit glatter Seele, Kaliber 13 mm; Kastenschloss mit mittig auf dem Schlosskasten sitzendem Hahn, ohne seitliches Schlossblech; eiserner Abzugsbügel. Der gebauchte Holzkolben ist ohne Kolbenkappe gearbeitet und mit einer Schraube am Schlosskasten befestigt. Auf dem Lauf eine stark verriebene hochovale Marke mit Krone über zwei gekreuzten Palmzweigen und drei kleinen Kreuzen, wohl die Beschussmarke von Saint-Étienne. Altersgemäßer Zustand, Metallteile partiell narbig und fleckig, das Holz mit Kratzern und Druckstellen, Mechanik funktioniert. L. 28 cm
Als Terzerole werden kleine Faustfeuerwaffen mit Kastenschloss bezeichnet, bei denen der Hahn mittig auf dem Schlosskasten sitzt und kein seitliches Schlossblech vorhanden ist. Die kräftig gebauten, langläufigen Stücke dienten im 19. Jh. zum Verscheuchen von Vogelschwärmen aus Weinbergen und Obstanlagen und heißen deshalb Weinbergpistolen. Sie sind in großer Formenvielfalt überliefert und lassen sich meist keiner bestimmten Werkstatt zuordnen. Das Beschussamt von Saint-Étienne führte gekreuzte Palmzweige, das Symbol des Märtyrers Stephanus als Stadtpatron, im Stempel; eine Fassung dieser Amtsmarke war von 1856 bis 1869 in Gebrauch. Als Vorderlader mit Perkussionszündung nach einem Modell vor 1871 ist die Pistole nach deutschem Waffenrecht ab 18 Jahren erlaubnisfrei zu erwerben.