Jagdmesser mit Beingriff und Hirschfänger mit Hirschhorngriff und Jagdätzung, wohl 2. Hälfte 19. Jh.
Zwei Jagdmesser in Hirschfänger-Form, altersgemäßer Zustand. 1) Jagdmesser mit Griff aus Bein mit drei halbkugeligen Ziernieten, Gefäß wohl aus Weißmetall mit kleinem muschelförmigem Stichblatt und kurzer gerader Parierstange, die Parierstange auf einer Seite abgebrochen, das Gefäß verbogen; gerade Rückenklinge mit Hohlkehle und gerundeter Spitze, flächig korrodiert, Griff locker, Griffende bestoßen, ohne Scheide, L. 58 cm, Klingenlänge 46 cm. 2) Hirschfänger, wohl Kirschbaum, Solingen, mit Hirschhorngriff, messingfarbenem, muschelförmigem Stichblatt und darunter einer Parierstange mit zwei S-förmig gegenläufig gebogenen Armen in Form von Hirschläufen; an der Klingenwurzel, vom Stichblatt verdeckt, gepunzte Marke Ritterkopf mit Helm im Profil; die gerade Rückenklinge beidseitig geätzt, einmal mit einem Jäger mit Hund unter einem Baum, einmal mit einem wühlenden Wildschwein. Schwarze Lederscheide mit messingfarbenem Mundblech und Einstecktasche, das kleine Beimesser fehlt. Klinge fleckig, Ätzung stellenweise berieben, L. 50 cm, Klingenlänge 34 cm.
Der Hirschfänger gehörte im 19. Jh. zur Ausrüstung des Jägers und wurde zum Abfangen des Wildes wie auch als Standeszeichen zur Jagdkleidung getragen. Die Einstecktasche an der Scheide nahm ein kleines Beimesser für das Aufbrechen des Wildes auf. Der Ritterkopf mit Helm war die Klingenmarke der Solinger Klingenschmiede Kirschbaum im 19. Jh.; die Nachfolgefirma W. R. Kirschbaum & Cie. setzte später die Buchstaben „K.&C.“ hinzu. Nach dem Zusammenschluss mit der Firma Gebr. Weyersberg 1883 führte Weyersberg, Kirschbaum & Cie. (WKC) den Ritterkopf zusammen mit dem gekrönten Königskopf als Doppelmarke weiter.